Jeden morgen zur ersten Tasse Kaffee habe ich den D64-Ticker im Posteingang. Ich lese ihn fast täglich und das seit mehr als 10 Jahren. Er gibt mir einen schnellen und kompakten Überblick über die aktuellen digitalpolitischen Themen.
Und das unglaubliche bei diesem Ticker ist: Er wird seit 2012 ehrenamtlich geschrieben. Am Anfang von Nico Lumma, dann kamen nach und nach RedakteurInnen hinzu. Es gibt ein festes Ticker-Team von D64-MitgliederInnen, die sich meist wöchentlich abwechseln und den Ticker jeweils aus ihrer Sicht schreiben bzw. die Artikel kuratieren. Mal etwas kürzer, mal länger, mal mit einem eigenen Intro, mal nur ein Linksammlung. Aber immer mit Herz.
Bei manchen AutorInnen weiß man schon beim lesen des Betreff, ach heute kommt der Ticker von Maxim. 🙂
Macht bitte noch lange weiter so!
Und wer den Ticker noch nicht kennt, kann hier noch etwas lesen und dann den Ticker direkt abonnieren. Jetzt.
Bin ich der Einzige der es toll fand? Ich denke nicht, denn Ossi war auch sehr angetan. Ossi war übrigens einer von vielen, den ich endlich mal in Person getroffen habe. Wir kannten uns davor nur aus diesem Internet.
Weitere Eindrücke vom Wochenende gibt es auf der Fediwall. Es ist ja schließlich ein digitaler Verein.
CC-BY 3.0 D64 Falko Ortolf
Aber jetzt noch ein bis zwei persönliche Anmerkungen.
Ich habe es schon Mastodon geschrieben: D64 begeistert mich immer wieder aufs Neue. Ich war sechs Jahre nicht dabei, aber es war wie „früher“ bei der jährlichen Klassenfahrt aka Klausurtagung. Das Gefühl war direkt wieder da. Und das obwohl dieser Verein ein riesiges Wachstum hingelegt hat, der Vorstand in all den Jahren mehrfach gewechselt hat. Die Kultur ist gleich geblieben. Oder sogar noch besser geworden. Das finde ich toll und sehr bemerkenswert.
Mittlerweile ist alles etwas professioneller geworden. Der Vorstand ist gewachsen und es gibt eine Geschäftsstelle, das merkt man an so einem Wochenende. Das Team der Geschäftsstelle hat alles super organisiert und gleichzeitig ist es immer noch eine Veranstaltung der TeilnehmerInnen.
In diesem Jahr gab es zum ersten Mal eine Kinderbetreuung. Vor 12 Jahren in Hamburg waren wir rund 20 Menschen, davon eine Frau und jetzt waren wir gut 90 und die Frauenquote ist deutlich besser geworden. Und es gab eben eine eigene Kinderbetreuung. Welcher Verein bietet sowas? Ich glaube nicht so viele.
D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e.V. klingt so hochtrabend, dabei ist das „nur“ ein bunt gemischter Haufen Menschen (aus ganz Deutschland, jeden Alters, verschiedener privater und beruflicher Backgrounds) und ich glaube genau das macht den Verein aus. Jeder bringt sich ein, wie er möchte und kann. Jeder ist relevant und daraus entstehen dann einfach gute Sache. Sollten wir vielleicht öfter so machen in der Gesellschaft.
Danke, an die Laufgruppe am Samstag morgen für die kleine Runde durch Weimar. Auch das hat sehr viel Spaß gemacht.
Danke, an alle die dabei waren und das Wochenende zu einem tollen Event gemacht haben. Es werden bestimmt keine sechs Jahre bis zur nächsten Klassenfahrt!
Zu einem Besuch in Weimar gehört aber noch etwas anderes dazu. Ein Besuch im ehemaligen KZ Buchenwald. Ich war mit Angelika und Julian am Freitag vor Beginn der Klassenfahrt für rund drei Stunden dort. Wir haben an einer sehr guten Führung über das Gelände teilgenommen und die Ausstellung besucht. Ein bewegender Besuch. Und ein starker Bruch zum tollen Wochenende. Aber das gehört dazu. NIE WIEDER ist jetzt.
Am kommenden Dienstag, den 7.10.2025 will sich die Bundesregierung festlegen ob sie für oder gegen die Chatkontrolle ist. Bisher hat sich Deutschland immer enthalten und damit die Einführung blockiert, jetzt soll sich das ändern. Und weil die CDU regiert und die immer auf die einfachsten und dümmsten Ideen abfährt, soll jetzt Deutschland zustimmen. Die SPD kann das verhindern. Aber das ist nicht sicher.
Chat was? Ja, richtig Kontrolle. Alle Nachrichten die du schreibst werden vor dem Versand gescannt/gelesen und dann erst versendet, oder eben den Behörden gemeldet. Also fast so wie früher bei der Stasi. Gut das wir gestern den 3. Oktober und damit den Tag der deutschen Einheit hatten und es die nicht mehr gibt. Aber scheinbar ist man in der Politik (vor allem in der CDU) sehr vergesslich.
Und warum? Angeblich um Kinder zu schützen. Nettes und wichtiges Ziel, aber halt auch irgendwie ziemlich dumm.
Warum dumm? Naja, was jetzt für Kinderschutz (wer kann da schon dagegen sein) eingeführt wird, kann eben auch ganz schnell ausgeweitet werden. Und wenn dann noch eine Demokratie kippt, so wie wir das gerade in den USA mit dem orangenen Clown sehen, dann wird man halt auch mal schnell an die Behörden gemeldet, weil man Antifaschismus wichtig findet. Oder weil man eben Ausländer ist und dann klopfen die Nazis an die Tür uns verhaften dich. Die Chatkontrolle ist hochgefährlich, auch für dich und mich.
Oder wie D64 es erklärt:
❌ Ende der Verschlüsselung – Wissenschaftler:innen weltweit sind sich einig: Das funktioniert nur mit Hintertüren, die uns alle gefährden. Selbst Geheimdienste warnen vor den Cybersicherheitsrisiken. ❌ Massenüberwachung unschuldiger Menschen – KI-Filter scannen alle Nachrichten anlasslos, ohne Verdacht. Das verstößt gegen die Unschuldsvermutung und wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als massive Grundrechtsverletzung eingestuft. ❌ Ende der Online-Anonymität – Verpflichtende Altersverifikation bedroht Whistleblower, Aktivist:innen, Journalist:innen und Menschen, die geschützte Räume brauchen.
Die Chatkontrolle schadet besonders: Journalist:innen, LGBTQ+-Communities, Eltern (die harmlose Familienfotos teilen), Anwält:innen – und sogar den Kindern selbst, die geschützt werden sollen.
Also blöde Idee! Was tun? „Mein“ digitalpolitischer Lieblingsverein D64 hat dazu eine Anleitung erstellt! Macht mit, werdet laut. Und lasst uns endlich diese Chatkontrolle beerdigen. Es ist einfach ein total dumme Idee. Und weil D64 toll ist, haben sie gleich auch noch ein paar Alternativen:
Statt Massenüberwachung brauchen wir:
✅ „Löschen statt Sperren“ – Behörden nutzen bestehende Möglichkeiten nicht konsequent ✅ Bessere Medienaufklärung für Kinder ✅ Mehr Beratungsstellen für Betroffene ✅ Meldestellen direkt in Messengern
Die Digitale Gesellschaft hat schon vor zwei Jahren ein Erklärvideo zur Chatkontrolle veröffentlicht. Auch darin werden Alternativen vor allem für den wirklichen Kinderschutz genannt. Hier anschauen: